YOGA in der
Kashmir-Tradition
ein von Jean Klein inspirierter Ansatz.
Zuhören: Der Energie-Körper
Dieser Ansatz geht von der traditionellen Kunst des Zuhörens aus. Wir verstehen den realen Körper nicht wirklich. In einer Welt der Konzepte und Ideen, ist durch die Kumulierung von Spannungen und Leben im Kopf auch der Körper mehr zu einer Idee, als zu etwas geworden, das lebt und gefühlt wird.
Die subtile Energie des Körpers wird durch neuro-muskuläre Spannungen paralysiert. Das originäre Fühlen kann nur durch unvoreingenommenes und erwartungsfreies Zuhören wiederbelebt werden.
Durch dieses Zuhören und indem wir der körperlichen Empfindung erlauben, sich zu entfalten, können wir uns davon befreien, bloßen Reaktionen zu folgen. Zuerst werden wir die erwähnte Energie in bestimmen Körperteilen spüren, später wird der gesamte Körper zu einer einzigen Einheit des Gefühls, zum globalen Gefühl.
Das Energie-Gefühl ist der eigentliche Heilfaktor des Körpers. Anstelle des alten Musters von Schwere, Widerstand und Dichte entdecken wir einen Körper, der sich als leicht, transparent und im Raum ausgebreitet empfindet. Wir erleben uns ohne Mitte, ohne Grenze, mit dem Raum vereint.
Dieses Gefühl der Offenheit und Ausweitung befreit uns von der ego-zentrierten Welt und öffnet uns zu tieferer Ausdehnung. Anderenfalls würde der Körper nur ein Verteidigungsmittel sein, um das Ego zu erhalten. Wenn wir uns den Yogastellungen annähern, ohne erst den Energie-Körper zu erwecken, verstärken wir lediglich die alten Muster und unsere Praxis ist bedeutungslos.
Die Yogastellungen
Wenn wir Yoga Asana durchführen, erleben wir jeden Augenblick in der Empfindung, wir sind in Harmonie mit dem Gefühl, es gibt keine Absicht und kein Ziel, das uns nur durch den Verstand und das Ego erreichen kann. Wir lassen die Haltung organisch entfalten, frei von der allzu häufig gegebenen Beherrschung oder Vergewaltigung des Körpers.
Die Muskeln und die gesamte Struktur verhalten sich in einer ganz anderen Weise. Es findet eine totale Integration statt. Es gibt keine Wiederholung. Jedes Mal wenn wir die Stellung einnehmen, ist sie frisch und im Jetzt.
Wir nehmen die Haltung oft nur auf der Energie-Ebene ein, ohne den physischen Körper zu bewegen; das hilft, uns weiter von Mustern und Beengungen zu befreien. Jede Haltung regt bestimme Teile des Körpers an, aber die eigentliche Auswirkung, die Neu-Ordnung der Energie, entsteht nach Einnahme der Haltung, in unserem Stillsein.
Meditation
Wenn die Haltung wirklich verstanden ist, wird sie zur Meditation. In ihr steht nicht mehr der Körper im Mittelpunkt sondern unser Bewusstsein - die Gegenwart. Es findet eine Art Übergang statt, wenn das Asana sich in unserem Bewusstsein voll entfaltet hat und wieder in Stille aufgegangen ist. In dieser Stille gibt es nicht Einen, der meditiert und nichts über das meditiert wird. Es gibt keine Konzentration ,sondern wahlloses Bewusstsein.
Atmung
So wie unser Körper beherrscht wird, wird auch unsere Atmung durch Furcht und Spannung weitgehend zur Reaktion. Wir neigen dazu, die Luft beim Einatmen zu ergreifen und beim Ausatmen auszustoßen, eine andauernde psychische Beeinflussung.
Durch unsere Übungen lernen wir, dem Atem “zuzuhören”, ihn in verschiedenen Teilen unseres Körpers zu fühlen und im globalen Gefühl wahrzunehmen. Wir geben dem Atem Gelegenheit, wieder spontan zu werden, wie in unserer Kindheit.
Wir benutzen den Atem, das Prana, in bestimmten Yoga-Techniken, um den Geist zu beruhigen und die Körperenergie anzuregen und auszurichten. Indem wir das Gewicht auf den Raum zwischen den Atemzügen und dem Urgrund allen Atmens legen, gelangen wir auf einer mehr spirituellen Ebene zu einem Vorgefühl unserer wahren Natur.
Befreiung der Sinne
Ein wichtiger Aspekt der Lehre ist die tiefe Entspannung der Sinne: Haut, Mund, Nasenflügel, Ohren, Augen und Geist. Im Unterbewusstsein richten sich unsere Sinne auf das Ergreifen und das bedeutet sie werden konzentriert und angespannt.
Durch Visualisierung und Zuhören und indem wir die Sinne sich entfalten lassen, gelangen wir zu Offenheit und Entspannung. Wir gestatten den Gegenständen, sich den Sinnen zu nähern und wir lernen, mehr mit unmittelbarer Erkenntnis ohne Zwischenschaltung des Verstandes zu leben.
Wenn die Sinne wirklich frei sind, nimmt der ganze Körper am Sehen, Hören, usw. teil.
Übertragung der Lehre.
Es ist wichtig, dass das durch Übung gewonnene Verständnis auf alle Aspekte unseres Lebens übertragen wird. Sobald wir uns nicht mehr mit einem Bild oder Gegenstand identifizieren, sind wir nicht mehr psychologisch an eine Situation gebunden. Wir leben in unserer Ganzheit und handeln als Ganzheit. Erst dann funktionieren wir wirklich richtig.
Wenn wir den Energie-Körper aufrechterhalten, fühlen wir uns offen und weit reichend, Furcht und Spannung finden keine Gelegenheit uns zu ergreifen. “Erst in unserer Abwesenheit sind wir wirklich gegenwärtig.”
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